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In einer neuen Studie haben wir untersucht, wie Kinder mit sozialer Angststörung ihre Aufmerksamkeit bereits vor einer belastenden sozialen Situation ausrichten. Dabei ging es um die Frage, ob sie ihre Aufmerksamkeit anders verteilen als Kinder ohne psychische Erkrankung und wie sich diese Unterschiede am besten erfassen lassen.
An der Studie nahmen Kinder mit sozialer Angststörung und gesunde Vergleichskinder teil. Die Kinder bereiteten sich auf eine kurze Rede vor Gleichaltrigen vor. Währenddessen wurde ihnen verschiedene Reize (Vibration, Lampe) und ein Video der zuhörenden Kinder gezeigt. Dabei erfassten wir sowohl Reaktionszeiten als auch Blickbewegungen (Eye-Tracking).
Die wichtigsten Ergebnisse:
- In den Reaktionszeiten zeigten sich keine Unterschiede zwischen Kindern mit sozialer Angststörung und gesunden Kindern.
- Die Auswertung der Blickbewegungen zeigte jedoch deutliche Unterschiede. Kinder mit sozialer Angststörung richteten ihre Aufmerksamkeit früher und länger auf die Gesichter des Publikums als Kinder ohne Angststörung.
- Diese Unterschiede traten bereits in der Erwartungsphase auf, also noch vor Beginn der eigentlichen Redesituation.
- Eye-Tracking erwies sich damit als geeigneter als Reaktionszeiten, um frühe Aufmerksamkeitsverzerrungen bei sozialer Angststörung sichtbar zu machen.
Wir schließen daraus, dass bei sozialer Angststörung im Kindesalter schon frühe Aufmerksamkeitsprozesse vor sozialen Situationen eine wichtige Rolle spielen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, soziale Angststörungen im Kindesalter besser zu verstehen und liefern wichtige Hinweise für zukünftige Forschung sowie für diagnostische und therapeutische Ansätze.
Die Studie erschien im Journal of Child Psychology and Psychiatry und kann hier nachgelesen werden (Englisch, frei verfügbar): https://doi.org/10.1111/jcpp.70115Externer Link