Deutschland-Monitor 2025 erschienen

»Wie veränderungsbereit ist Deutschland?« Dieser und weiteren Fragen geht der aktuelle Deutschland-Monitor 2025 nach, der am 19. Februar 2026 erschienen ist.

Deutschland-Monitor 2025

Foto: Deutschland-Monitor 2025

Im Mittelpunkt der Studie, steht dabei in diesem Jahr sowohl die allgemeine gesellschaftliche Veränderungsbereitschaft als auch die Veränderungsbereitschaft in spezifischen Politikfeldern. Analysiert wurde unter anderem, ob Veränderungen als zu umfassend, zu schnell oder zu tiefgreifend empfunden werden bzw. ob sie eher als Chance oder Risiko wahrgenommen werden. Zudem wurde untersucht, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Bürger:innen bereit sind, gesellschaftliche Veränderungen mitzutragen oder auch aktiv mitzugestalten. Wie in jedem Jahr untersucht der Deutschland-Monitor darüber hinaus zentrale, in der Sozial- und Politikwissenschaft etablierte Einstellungskonzepte wie Demokratiezufriedenheit, Vertrauen in politische Institutionen sowie populistische und autoritäre Einstellungen. 35 Jahre nach der Deutschen Einheit wird zudem die Bilanz der Wiedervereinigung durch die Bevölkerung in den Blick genommen.

Der Deutschland-Monitor wird von einem Forschungskonsortium herausgegeben, das sich aus dem Zentrum für Sozialforschung Halle e. V., dem GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften sowie dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Jena zusammensetzt. Gefördert wird das Projekt von der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland. Beteiligt am Jenaer Standort waren Prof. Dr. Marion Reiser, Helene Franke, Dr. Jörg Hebenstreit und Pierre Zissel.

Die Befunde des aktuellen Deutschland-Monitors basieren auf drei eng miteinander verknüpften Erhebungsformaten: einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, einer regionalen Vertiefungsstudie in strukturstarken und strukturschwachen Kreisen Ost- und Westdeutschlands sowie Fokusgruppendiskussionen. Insgesamt wurden mehr als 8.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren befragt.

Transformationstypen in Ost-, West- und Gesamtdeutschland

Angaben in Prozent. Abweichungen zu 100% sind rundungsbedingt.

Grafik: Deutschland-Monitor 2025

Die Ergebnisse zeigen unter anderem: Die Mehrheit der Bevölkerung ist keineswegs generell veränderungsmüde. Ein knappes Viertel (23 %) der Befragten ist offen und bereit für gesellschaftlichen Wandel und nimmt diesen tendenziell als gesellschaftliche Chance wahr. Gut die Hälfte (52 %) steht Transformation unentschieden gegenüber, indem sie weder klar positive noch ausgeprägt negative Bewertungen hinsichtlich des Wandels vornimmt. Ein Viertel (26 %) steht Wandel kritisch bis ablehnend gegenüber und verbindet Veränderungen vorrangig mit gesellschaftlichen Risiken. Die allgemeine Bereitschaft zur Veränderung ist in Ost- und Westdeutschland sehr ähnlich ausgeprägt.

Allerdings äußern sich Bürger:innen, die in strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands leben, etwas weniger veränderungsbereit als jene in strukturstarken Regionen Ostdeutschlands. In strukturschwachen ostdeutschen Regionen werden Veränderungen zudem eher als Risiko wahrgenommen. Solche Distanz gegenüber Wandel geht dort einher mit einer signifikant geringeren Demokratiezufriedenheit, stärkeren Verbreitung populistischer und diktaturaffiner Einstellungen und einem geringeren Gefühl der Anerkennung individueller und gesellschaftlicher Lebensleistungen.

Befragte, die grundsätzlich veränderungsbereit sind, bekunden auch größere Aufgeschlossenheit für Wandel in konkreten Politikfeldern. Das zeigen die Daten des Deutschland-Monitors für die erhobenen Bereiche Verteidigung, Wirtschaft, Digitalisierung, Demografie, Klima und Migration. In diesen Feldern sind die Befragten auch mehrheitlich bereit, Zumutungen für sie selbst ganz oder zumindest teilweise mitzutragen. Mit einer Ausnahme: Eine längere Lebensarbeitszeit zur Stabilisierung des Rentensystems angesichts der Alterung der Gesellschaft, lehnen 58 Prozent als zu große Zumutung ab.

Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus, dass gesellschaftliche Veränderungen akzeptiert werden, wenn der Staat als ein handlungsfähiger Gestalter empfunden wird, Entscheidungen nachvollziehbar sind und transparent kommuniziert werden und diese als angemessen bzw. gerecht wahrgenommen werden. Sicherheit – etwa in sozialer oder wirtschaftlicher Hinsicht oder auch mit Blick auf die innere Sicherheit – bildet für die Bürger:innen ein zentrales Leitmotiv bei der Beurteilung gesellschaftlicher Veränderungen.

Zu den Einstellungen zur Demokratie zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Idee der Demokratie wird von den Befragten nahezu einhellig (98 %) unterstützt. Auch die Verfassungsordnung des Grundgesetztes erfährt eine anhaltend hohe Zustimmung (79 %). Skeptischer fällt die Bewertung der Performanz aus: Die Daten zeigen, dass 6 von 10 Befragten mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland zufrieden sind. Dieser Wert ist für Westdeutschland in den vergangenen 3 Jahren weitgehend stabil geblieben. Für Ostdeutschland fällt die Zufriedenheit mit 51% geringer aus, hat aber dort in den vergangenen Jahren merklich zugenommen (2023: 43 %). Die Zufriedenheit mit der Demokratie hängt insgesamt stark von der wahrgenommenen wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft, der gefühlten individuellen Anerkennung sowie den persönlichen Zukunftserwartungen ab. Obwohl die Demokratieidee insgesamt eine hohe Zustimmung erfährt, ist ein relevanter Anteil der Bevölkerung zumindest teilweise offen für Elemente autoritärer Systeme (24 %). Auch populistische Einstellungen sind bei knapp einem Fünftel der Bevölkerung verbreitet (21%).

Zustimmung zu unterschiedlichen Demokratiedimensionen in Ost-, West und Gesamtdeutschland 2023-2025

Angaben in Prozent.

Grafik: Deutschland-Monitor 2025

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Pierre Karl Zissel

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