Lieblingsmusik für Menschen mit Demenz, die Zuhause leben

„Individualisierte Musik für Menschen mit Demenz in der häuslichen Pflege“ - Akzeptanz und Wirksamkeit einer App-basierten Musikintervention (IMuD-App)(2021-2025)

Gemeinsames Musikhören.

Foto: René Schwerdtel (Kummerfeldt-Stiftung & Diakoniestiftung Thüringen)
Gemeinsames Musikhören.

Es hat sich gezeigt, dass das Hören persönlich bedeutsamer Musik zu einer außergewöhnlich positiven Wirkung bei Menschen mit Demenz, die im Pflegeheim leben, führen kann. Die zunächst im stationären Pflegesetting durchgeführte, randomisiert kontrollierte Studie zeigte eine hohe Akzeptanz und sehr gute Anwendbarkeit der Musikintervention. In diesem Folgeprojekt wurde die Intervention in die Häuslichkeit übertragen.

Für das Projekt wurde eine App zur Durchführung der individualisierten Musikintervention per Tablet entwickelt und die Wirksamkeit, Anwendbarkeit und Akzeptanz der App-basierten Musikintervention in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht. Insgesamt nahmen 93 Dyaden jeweils bestehend aus pflegenden Angehörigen und Menschen mit Demenz teil.

Ziele des Projektes

  • Lebensqualität

    Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

    a)
  • Belastungsreduktion

    Verringerung der Belastung der pflegenden Angehörigen

    b)
  • Beziehungsförderung

    Demenzangepasste Kommunikation - Förderung der Selbständigkeit der Betroffenen, einem Begegnen auf Augenhöhe und der Stärkung der Identität der Menschen mit Demenz.

    c)
  • Umsetzbarkeit

    Untersuchung der Umsetzbarkeit der App-basierten individualisierten Musikintervention im häuslichen Pflegekontext.

    d)

Durchführung der Studie

Die Studie wurde als randomisiert kontrollierte Prä-Post-Follow-up-Studie durchgeführt. Das bedeutet, dass die teilnehmenden Dyaden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt wurden. In der Kontrollgruppe erhielten die Menschen mit Demenz die reguläre häusliche Betreuung. Als „Dyade“ bezeichnen wir Menschen mit Demenz mit deren pflegenden Angehörigen.

Die Interventionsgruppe erhielt auf Basis individueller Musikpräferenzen drei personalisierte 20-minütige Musiklisten über eine Tablet-App. Über sechs Wochen wurde 3-4 Mal pro Woche die individualisierte Musik gehört und Erfahrungen dokumentiert.

Die Angehörigen füllten zu vier Zeitpunkten standardisierte Fragebögen aus sowie tägliche Befindens-Einschätzungen über die App während der Intervention. Zusätzlich fanden Hausbesuche mit Verhaltensbeobachtungen, Videoaufnahmen und biophysiologischen Messungen statt. Nach Abschluss der letzten Erhebung wurden halbstrukturierte Evaluationsinterviews mit den Angehörigen geführt.

Angehörige begleiten das Musikhören mit der IMuD-App am Tablet (Szene dargestellt Schauspielende.)

Foto: Sami Durani

Wirkung der Musikintervention in der häuslichen Pflege

Die App-basierte Musikintervention konnte erfolgreich in der häuslichen Pflege umgesetzt werden. Die Durchführung erwies sich als sehr praktikabel, niedrigschwellig und wurde von den teilnehmenden Dyaden als sehr gut anwendbar bewertet.

Ich kann nur sagen, das, was Sie eben mit mir gemacht haben, hat mich zutiefst berührt. Ich hätte auch sehr viel Lust gehabt, richtig zu tanzen.

Musikhörende Projektteilnehmerin über ihre Lieblingsmusik

Die Ergebnisse des Projekts belegen zudem, dass die individualisierte Musikhörintervention positive Effekte für Menschen mit Demenz erzielt.  Es zeigten sich deutliche Verbesserungen in der Stimmung. Zudem führte die Intervention zu einer Reduktion von herausfordernden Verhaltensweisen und förderte vielfältige positive musikbezogene Reaktionen wie aufmerksames Zuhören, Entspannung oder Mitsingen. Qualitative Interviews bestätigen nahezu durchgehend positive Erfahrungen der pflegenden Angehörigen. Die Ergebnisse legen nahe, dass individualisierte Musikhörinterventionen positive Impulse für die subjektive Haltung zur Pflege geben können. Zudem bietet die Intervention eine Ressource für pflegende Angehörige, im Pflegealltag eine freudvolle, positive Aktivität für den Menschen mit Demenz anbieten zu können.

Eine qualitative Analyse der Dyadeninteraktion zeigte, dass die Wirksamkeit der Intervention auch vom Verhalten der pflegenden Angehörigen abhängt: Unterstützendes Verhalten verstärkte die positiven Effekte, während kritische oder defizitorientierte Haltungen diese abschwächten. Auf dieser Basis können wertvolle Ansätze für praktische Handlungsempfehlungen und künftige Studien entstehen.

Die technische Umsetzung über die IMuD-App wurde durchweg positiv bewertet. Sie überzeugte durch Benutzerfreundlichkeit und hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden.

Projektteam (IMuD-App)

Gruppenbild Musikprojekt

Foto: Anne Günther (Universität Jena)

Projektleitung
Prof. Dr. Gabriele Wilz

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
Sophie Geßner, M.Sc.
Mareike Hillebrand, M.Sc.
Elisabeth Jakob, M.Sc.
Dipl.-Psych. Tanja Kalytta
Juliane Meininger, M.Sc.
Doreen Rother, M.Sc.
Lisa Schön, M.A.
Dr. Lisette Weise

Dieses Projekt wurde gefördert durch:

Logo des GKV Spitzenverbandes der Pflege- und Krankenkassen

Abbildung: GKV Spitzenverband

GKV-Spitzenverband der Pflege- und Krankenkassen

Laufzeit: 06/2021 - 05/2025

Fördersumme: 569.917 €