Individualisierte Musik für Menschen mit Demenz

Ein Forschungsschwerpunkt der Abteilung Klinisch-psychologische Intervention

Glückliches Musikhören.

Foto: René Schwerdtel (Kummerfeldt-Stiftung & Diakoniestiftung Thüringen)
Glückliches Musikhören.

Der Dokumentarfilm „Alive Inside“ (Rossato-Bennett et al., 2014, nach der Idee von Dan Cohen) zeigt eindrücklich und berührend, wie persönlich bedeutsame Musik Menschen mit Demenz gewissermaßen „zum Leben erwecken“ kann. So entstand bereits 2016 die Idee zum Forschungsschwerpunkt „Lieblingsmusik für Menschen mit Demenz“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Durch die bisher abgeschlossenen Projekten entstand eine Musikintervention, die erfolgreich evaluiert und durch ein Schulungskonzept für Pflegeeinrichtungen ergänzt wurde. Zudem wurde sie für den Einsatz in der häuslichen Pflege adaptiert. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der breiten Implementierung und nachhaltigen Verankerung in deutschen Pflegeeinrichtungen.

Hinweis

Sie können sich vorstellen, mit Ihrer Pflegeeinrichtung an unserer aktuellen Studie teilzunehmen?

Hier können Sie Ihr Interesse bekunden.Externer Link

In diesem Online-Formular haben Sie die Möglichkeit, Angaben zu Ihrer Einrichtung zu machen. Uns interessiert unter anderem, welche Strukturen die interessierten Einrichtungen bundesweit mitbringen. Ihre Angaben sind unverbindlich. Bitte beachten Sie, dass eine Interessenbekundung noch keine Zusage für die Teilnahme an der Studie bedeutet.

Aktuelles

  1. Fachtagung "Musik & Demenz"

    Am 24. Juni 2026 fand die Abschlusstagung zum IMuD-App-Projekt in der Marie-Seebach-Stiftung statt.

    Die Referentinnen und Referenten der Tagung.
    Foto: © Bernd Lindig
  2. Fotoausstellung "Musik & Demenz"

    In Zusammenarbeit mit der Kummerfeldt Stiftung und der Diakoniestiftung Thüringen entstanden berührende Collagen von Menschen mit Demenz und Ihrer Lieblingsmusik.

    Eine Dame betrachtet die Fotoausstellung.
    Foto: © René Schwerdtel, Kummerfeldt Stiftung
Alle Meldungen

Unsere Forschungsprojekte

  • 1) Lieblingsmusik im Pflegeheim

    Kann individualisierte Musik zur Verbesserung von Lebensqualität und sozialer Partizipation für Menschen mit Demenz beitragen? Von 2018 bis 2021 ging ein Forschungsprojekt in der institutionellen Pflege dieser Frage nach, gefördert vom GKV-Spitzenverband.

    Bewohnerin tanzt zu ihrer Lieblingsmusik.
    Foto: René Schwerdtel (Kummerfeldt-Stiftung & Diakoniestiftung Thüringen)
  • 2) Lieblingsmusik Zuhause

    Kann die wirksame Musikintervention für Menschen mit Demenz begleitet durch Angehörige auch in der häuslichen Pflege mit Hilfe einer App umgesetzt werden? Dieser Frage ging ein vom GKV-Spitzenverband gefördertes Projekt von 2021 bis 2025 nach.

    Angehörige begleiten das Musikhören mit der IMuD-App am Tablet (Szene dargestellt Schauspielende.)
    Foto: Sami Durani
  • 3) Implementation und Verstetigung (NEU)

    Wie kann die positiv evaluierte Musikintervention bundesweit in Pflegeeinrichtungen implementiert und verstetigt werden? Dieser Frage gehen wir seit 2026 in unserem aktuellen 3-jährigen Forschungsprojekt nach, gefördert von der Edgar und Nina Kummerfeldt Stiftung.

    MP3-Player und Kopfhörer auf einem Klavier.
    Foto: René Schwerdtel
Slideshow Steuerung Eintrag 1 von 32
Information

Unter dem Hören „individualisierter Musik“ verstehen wir das regelmäßige Abspielen der persönlichen Lieblingsmusik einer Person über Kopfhörer, die in Form einer Playlist individuell zusammengestellt wird. hört. Grundlage dafür sind die musikalischen Präferenzen und biografischen Erfahrungen der jeweiligen Person.

Warum individualisierte Musik für Menschen mit Demenz?

Musikbiografie

Foto: Madeleine Helbig

Für Menschen mit Demenz verändert sich das Leben im Verlauf ihrer Erkrankung grundlegend. Die Unterstützung durch betreuende Personen nimmt eine große Rolle im Alltag ein. Mit dem schleichenden Verlust von Fähigkeiten zurecht zu kommen, ist eine große Herausforderung und kann dazu führen, dass sich Betroffene verstärkt zurückziehen, depressive Symptome entwickeln oder sich ängstlich und unruhig fühlen.

Trotz aller Einschränkungen bleibt die Fähigkeit erhalten, zu genießen, sich zu erfreuen und wohlzufühlen. Es gilt Aktivitäten zu finden, die die Lebensqualität von Menschen mit Demenz aufrechterhalten und verbessern. Hierbei ist Musik von großer Bedeutung - als nicht-medikamentöse Intervention ohne Nebenwirkungen. Durch sie können Genussmomente geschaffen, wohltuende Beschäftigungen gefunden oder ein Zugang zur eigenen Identität zu erhalten werden.

Wirkung von individualisierter Musik

Erinnern Sie sich an die Lieder ihrer Jugend?
Welche Musik hat Sie im Laufe des Lebens begleitet?

Musik ist ein wichtiger Bestandteil unserer Biografie und wird im Gehirn an Orten des Langzeitgedächtnisses gespeichert, die von einer Demenz weniger stark betroffen sind. Durch bestimmte Melodien können plötzlich lange zurückliegende Ereignisse, Liedtexte, Gesichter und Geschichten hervorgerufen werden. Genau diese Erinnerungsfähigkeit beim Hören von Musik ist auch bei Menschen mit Demenz noch lange erhalten.

Mit dieser Musikintervention suchen wir genau jene Musik, die im Leben der Person vor der Erkrankung bedeutsam war und mit positiven Erfahrungen und Gefühlen verbunden ist. In Fragebögen oder Interviews erheben wir die Musikbiografie und erstellen mehrere individuelle Musiklisten. Dabei fragen wir beispielsweise nach Lieblingsliedern und Lieblingskünstler*innen, aber auch, welche Musik auf besonderen Ereignissen wie beispielsweise Familienfeiern gehört wurde.

Diese Playlist des Lebens kann eine besondere Wirkung auf Menschen mit Demenz haben. Durch die individualisierte Musikintervention konnten wir bereits eine verbesserte Lebensqualität, verringertes herausforderndes Verhalten sowie eine verstärkte soziale Teilhabe der Menschen mit Demenz beobachten.

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne!

Projektteam "Lieblingsmusik für Menschen mit Demenz" (Abteilung Klinisch-psychologische Intervention)

Humboldtstraße 11
07743 Jena

Link zum Herunterladen der vCard
vCard