Aus der Lehre
Bachelorarbeit von Maria Rose mit dem Institutspreis für Abschlussarbeiten 2025 prämiert
Maria Rose
Foto: PrivatDie Bachelorarbeit untersucht die gesellschaftliche Abwertung weiblicher Kommunikation im Kontext patriarchaler Herrschaftsverhältnisse am Beispiel des Klatsches. Ausgehend von der Beobachtung, dass Gespräche unter Frauen häufig als trivial, belanglos oder moralisch fragwürdig markiert werden, analysiert die Arbeit diese Zuschreibungen als Ausdruck symbolischer Gewalt und geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse.
Auf Grundlage von Pierre Bourdieus Theorie der symbolischen Gewalt sowie des Konzepts des doing gender wird gezeigt, wie Sprache, Geschmack und Kommunikationspraktiken zur Reproduktion männlicher Herrschaft beitragen. Klatsch wird dabei historisch wie gesellschaftlich als ambivalente Praxis herausgearbeitet: Anhand seiner begrifflichen Entwicklung wird die enge Verknüpfung mit Weiblichkeit, Trivialität und sozialer Marginalisierung nachgezeichnet, die sich in der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre, der ambivalenten Bewertung weiblicher Rede zwischen Entwertung und Bedrohlichkeit sowie in seiner sozial integrierenden wie zugleich disziplinierenden Funktion widerspiegelt.
Im Zentrum der Analyse steht die Frage, warum das Gespräch unter Frauen durch die konnotierte Zuschreibung als „Klatsch“ einerseits trivialisiert, andererseits moralisch stigmatisiert und sozial reglementiert wird. Es zeigt sich, dass weibliche Kommunikationspraktiken dabei nicht nur als Ort symbolischer Unterordnung erscheinen, sondern auch als potenziell subversive Handlungsspielräume, deren emanzipatorisches Moment im Sinne Bourdieus zur Aufrechterhaltung der männlichen Herrschaft begrenzt werden muss.
Wir gratulieren ganz herzlich!
Masterarbeit von Ellen Winkler mit dem Institutspreis für Abschlussarbeiten 2024 prämiert
Ellen_WInkler
Foto: PrivatMeine Masterarbeit "Sozialisation, Leistung oder Psychologie – eine Analyse der atypischen Aspiration" untersucht, welche Faktoren die Aspiration eines geschlechtsatypischen Berufs von männlichen Jugendlichen am Ende der Sekundarstufe I beeinflussen. Ich nutze verschiedene theoretische Ansätze zur Ableitung von Hypothesen, die Faktoren auf drei Ebenen berücksichtigen: sozialisatorisch, leistungsbezogen und psychologisch. Die Hypothesen werden anhand von Daten aus dem Nationalen Bildungspanel (ca. 4000 Jugendliche, Jahrgangsstufe 10, 2012) überprüft. Mittels multinomialer logistischer Regression analysiere ich, welche Faktoren mit der Aspiration der männlichen Jugendlichen für Berufe mit einem Frauenanteil von mind. 70% zusammenhängen. Über ein Drittel der Jugendlichen aspiriert einen männerdominierten und nur etwas mehr als 5% einen frauendominierten Beruf.
Sozialisatorische Aspekte erweisen sich dabei kaum als relevante Einflussfaktoren. Leistungsbezogene Faktoren sind hingegen etwas bedeutsamer: Eine höhere Mathematikkompetenz senkt die Wahrscheinlichkeit einer atypischen Aspiration, ein Praktikum in einem weiblich konnotierten Beruf erhöht sie. Die deutlichsten Effekte finden sich auf der psychologischen Ebene. Die Aspiration eines atypischen Berufs wird für männliche Jugendliche wahrscheinlicher, wenn sie stärker sozial und weniger praktisch-technisch interessiert sind, ökonomischen Aspekten bzgl. der Berufswahl weniger Bedeutung beimessen und ein geringeres Selbstwertgefühl aufweisen. Die Resultate meiner Masterarbeit zeigen demnach, dass die männliche Berufsaspiration stark an traditionellen Pfaden orientiert ist und eine Abweichung nur unter der Bedingung anderer normabweichender Gegebenheiten wahrscheinlich wird.
Wir gratulieren ganz herzlich!
Gemeinsame Bachelorarbeit von Adrian Greiner und Matthias Kelsch mit dem Institutspreis für Abschlussarbeiten 2022 prämiert
Kelsch_Greiner
Foto: Lucie WolfAdrian Greiner, Matthias Kelsch: „Wer wird Millionär? Eine quantitativ-empirische Untersuchung von herkunftsbedingten Vermögensungleichheiten und deren Einflussfaktoren“
In unserer Bachelorarbeit untersuchen wir, inwiefern in Deutschland Vermögensungleichheiten nach sozialer Herkunft bestehen, auf welche Einflussfaktoren sich solche Ungleichheiten gegebenenfalls zurückführen lassen und wie sie sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben.
Aufbauend auf die Klassentheorie Pierre Bourdieus nehmen wir zunächst an, dass in Deutschland Vermögensungleichheiten zulasten der unteren Herkunftsgruppen bestehen. Zweitens vermuten wir im Anschluss an Bourdieu, dass Mittel- und Oberklasse sowohl familiäre (Erbschaften & Schenkungen, partnerschaftliches Zusammenleben) als auch bildungsbezogene Reproduktionsstrategien (Erwerbseinkommen, Bildung, produktive Schulden, Selbstständigkeit) nutzen, um ihren Nachkommen Vermögensvorteile zu verschaffen. Drittens gehen wir unter der Annahme kumulativer Vorteile davon aus, dass insbesondere die Oberklasse ihre überlegene Stellung in der Vermögensverteilung im Zeitverlauf ausbauen konnte. Wir überprüfen diese Annahmen mithilfe von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 2002 bis 2017. Unsere Analysen offenbaren zum einen, dass in Deutschland deutliche Vermögensungleichheiten vor allem zugunsten der Mittel- und Oberklasse bestehen. Zum anderen können wir zeigen, dass gerade die Vermögensnachteile der unteren Herkunftsgruppe zwischen 2002 und 2017 signifikant zugenommen haben. Unsere Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die oberen Herkunftsgruppen über mehr Vermögen als die Unterklasse verfügen, weil sie über mehr produktive Schulden, Erbschaften & Schenkungen, Erwerbseinkommen und Bildung verfügen. Selbstständigkeit und partnerschaftliches Zusammenleben erwiesen sich hingegen nicht als relevante Einflussfaktoren herkunftsspezifischer Vermögensungleichheiten.
Die Ergebnisse unserer Arbeit unterstreichen somit einerseits die (zunehmende) Bedeutung des Klassenhintergrundes für den individuellen Vermögenserwerb. Zum anderen liefern sie Hinweise darauf, dass – entgegen verbreiteten Annahmen – die Lösung für die wachsende Vermögensungleichheit nicht allein in einer intensiveren Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen liegen kann. Vielmehr wäre es von mindestens ebenso großer Bedeutung, herkunftsspezifischen Bildungs- und Einkommensungleichheiten politisch entgegenzuwirken, um eine egalitärere Vermögensverteilung zu ermöglichen.
Wir gratulieren ganz herzlich!
Bachelorarbeit von Marieke Asendorf mit dem Institutspreis für Abschlussarbeiten 2021 prämiert
Urkunde_Asendorf
Foto: Marieke AsendorfWir freuen uns sehr, dass der diesjährige Preis für die beste Bachelorarbeit an Marieke Asendorf ging, die am Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse ihre Arbeit zum Thema „Räumliche Differenzen im Gender Pay Gap in Ostdeutschland“ geschrieben hat. Eine kurze Zusammenfassung der Bachelorarbeit finden Sie hier.pdf, 107 kb Wir gratulieren ganz herzlich!