Im Wintersemester NEU beginnende Lehrforschung (BASOZ 51)
Interessierte melden sich bitte bei der Fachstudienberatung und nehmen, sobald das Vorlesungsverzeichnis online ist, bitte schnellstmöglich die Anmeldung vor!
Meldung vom: | Verfasser/in: Erik Hirsch
Die zum Wintersemester neu beginnende Lehrforschung von Herrn Prof. Reitz ("Universalismus, Identität, Eigeninteresse: Die Verschiebung moralischer Sensibilitäten") ist insbesondere - aber nicht nur, weitere Studierenden sind natürlich willkommen - ein Angebot für Studierende, die ein Auslandsstudium planen.
Um frühzeitig erkennen zu können, ob und in welchem Umfang tatsächlich Bedarf für diese Lehrforschung besteht, melden sich interessierte Studierende bitte bei der Institutsgeschäftsführung/Fachstudienberatung, Herrn Dr. Erik Hirsch (erik.hirsch@uni-jena.de), oder auch gern direkt bei Prof. Reitz und nehmen, sobald das Vorlesungsverzeichnis Mitte August online geht, BITTE UMGEHEND die Anmeldung für die Veranstaltung vor.
Bitte beachten Sie: Diese Lehrforschung kann nur bei hinreichend großem Interesse der Studierenden stattfinden, kommen nicht genügend Studierenden zusammen, findet die Lefo nicht statt!
Informationen zur Lehrforschung "Universalismus, Identität, Eigeninteresse: Die Verschiebung moralischer Sensibilitäten" (Veranstaltungskommentar Friedolin)
"Moral (von lat. mos, Sitte) und Ethik (von gr. ethos, Gewohnheit) sind bis heute wesentliche, wenn auch schwer zu fassende Bezugspunkte sozialen Lebens. Sie kommen zur Geltung, wenn wir ohne feste formelle Bezugsregel, aber trotzdem mit weit reichendem Anspruch andere beurteilen, unser eigenes Verhalten justieren oder auch nachträglich Reue,
Gewissensbisse oder Stolz auf das eigene Handeln empfinden. Die Geschichte der westlichen Philosophie legt nahe, die sich einige Kriterien hierfür explizieren lassen und dass neben langfristig bleibenden Mustern auch starke Umbrüche in den vorherrschenden Standards und Sensibilitäten zu verzeichnen sind.
Eine besonders deutliche Entwicklung besteht in der Durchsetzung universalistischer Muster, also einer Moral, die für schlechthin alle Menschen gelten soll. An eben diesem Punkt könnte sich in der Gegenwart ein erneuter Wandel abzeichnen, weil einerseits die universalistische Moral über sich hinaustreibt und auch erwartbare Ungleichheiten zu berücksichtigen verlangt, während andererseits erneut ein Art Recht auf kulturelle Partikularität ins Feld geführt wird. Ein bekannter Begriff für beide Seiten ist Identität, oft erweitert zu Identitätspolitik. Neben ihm steht im Liberalismus das legitime Eigeninteresse aller Einzelnen, das moralisch als zumindest neutral und in vielerlei Hinsicht sogar als schutzwürdig gilt.
In der Lehrforschung sammeln wir empirische Anhaltspunkte für das, was sich im spontanen moralischen Empfinden in unserer Gesellschaft möglicherweise gerade ändert. Dazu sollen nach einleitenden Lektüren von Meta-Moralphilosophen wie Williams, Moralsoziologen wie Durkheim und Luhmann sowie politischen Ethikerinnen wie Butler und Tronto, ergänzt
durch orientierende Zeitdiagnosen, Lehrforschungsprojekte konzipiert werden, die verschiedene Mittel qualitativer Sozialforschung für die Erkundung moralischer Standards und Empfindlichkeiten zum Einsatz bringen: Text- und Dokumentenanalysen, Interviews und Gruppendiskussionen, ggf. auch teilnehmende Beobachtungen. Mögliche Themen reichen von der politischen Moral der neueren Linken oder auch des Rechtspopulismus über Alltagsbeurteilungen im Studium, in privaten Beziehungen und sozialen Medien bis zu der Ethik, die in massenkulturellen Produkten und Werbung zum Ausdruck kommt. Das Wintersemester wird wesentlich der Lektüre gewidmet sein, im Sommersemester sollen die eigenen Forschungen durchgeführt werden."