Ulrike Stühler

Nachwuchspreis für die beste rechtspsychologische Dissertation

Dr. Ulrike Stühler (née Kruse) erhält für Ihre Promotion an unserem Institut (Allgemeine Psychologie 1) den Nachwuchspreis für die beste rechtspsychologische Dissertation der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs.
Ulrike Stühler
Foto: Ulrike Stühler

Auszeichnung für herausragende Dissertation in der Rechtspsychologie

Der Nachwuchspreis für die beste rechtspsychologische Dissertation der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs wurde an Dr. Ulrike Stühler (née Kruse) für ihre Promotion an unserem Institut (Allgemeine Psychologie I) zum Thema „Identifizierungsleistung von Augenzeugen: Untersuchung individueller Eigenschaften und prozeduraler Faktoren unter Verwendung einer virtuellen Realität“ verliehen.

Die Dissertationsschrift beschäftigt sich mit einem der wichtigsten Anwendungsfelder der Psychologie des Gedächtnisses: dem Augenzeugengedächtnis. Hier sollte die Lücke zwischen kontrollierter experimenteller Grundlagenforschung und Anwendung dringend verringert werden, um in der Praxis bessere, faire und empiriebasierte Entscheidungen zu ermöglichen. Nach wie vor spielt die Identifikation von Tatverdächtigen durch Augenzeugen eine wesentliche Rolle bei vielen Gerichtsurteilen; gleichzeitig wird die Fähigkeit von Personen, unbekannte Gesichter wiederzuerkennen, stark überschätzt.

In den letzten Jahren sind enorme individuelle Unterschiede in der Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, in den Fokus von WissenschaftlerInnen gerückt (z.B. Wilmer et al., 2010; PNAS). Zudem können verschiedene Aspekte dieser Fähigkeit heute mit psychometrisch validierten Verfahren gemessen werden. Daher liegt die Frage nahe, inwieweit die Leistung in psychometrischen Tests der Gesichtererkennung mit der Leistung in einer Augenzeugensituation zusammenhängt, und inwieweit perspektivisch die Erfassung dieser Fähigkeit als wichtiger Kontext für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit individueller Augenzeugenberichte herangezogen werden könnten und sollten.

Ulrike Kruses Dissertation widmet sich diesem Thema mit einer besonders innovativen Methode – der virtuellen Realität (VR): Um im Vergleich zu herkömmlichen Methoden (in denen ProbandInnen ein Verbrechensvideo in 2D auf der Leinwand oder am Monitor gezeigt wird und diese dann in einer späteren Versuchssitzung den Täter/die Täterin in einem Lineup („Gegenüberstellung; Identifikationsparade“) identifizieren sollen) ökologisch valider vorzugehen und eine höhere Immersion zu erzeugen, hat Frau Kruse in einem aufwändigen Verfahren selbst Videos mit einer 360 Grad-Kamera aufgenommen, die dann mit einer VR-Brille gezeigt werden können.

Gegenüberstellungen am Tag nach der Beobachtung der Verbrechens-Szenen wurden mit an der Praxis orientierten, wissenschaftlich validierten fairen Verfahren und unter Verwendung des 3D-Kamerasystems der Abteilung für Allgemeine Psychologie hergestellt. Eines der Produkte der Dissertation steht nun WissenschaftlerInnen im Themenfeld weltweit offen und ermöglichen die Erforschung des Augenzeugengedächtnisses unter realitätsnäheren Bedingungen: die Jena Eyewitness Research Stimuli (JERS). Die Vorteile der VR-Methode für die Erforschung des Augenzeugengedächtnisses sind parallel dazu mittlerweile in mehreren aktuellen Studien gezeigt worden. Die Jena Eyewitness Research Stimuli (JERS) sind für akademische Zwecke über ein Repository des Open Science Framework (OSF) frei verfügbar.

 Link zu den Jena Eyewitness Research Stimuli (JERS):
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0295033Externer Link

Herzlichen Glückwunsch, Dr. Ulrike Stühler!