Institutspreise Abschlussarbeiten

Die Institutspreise Abschlussarbeiten wurden verliehen. Wir gratulieren Catalina Enrica Renč, Maria Rose, Lina Sofie Schöne, Judith Vrenegor und Lena Wluka!

Meldung vom: | Verfasser/in: Erik Hirsch

Institutspreise Abschlussarbeiten

Auch in diesem Wintersemester hat das Institut herausragende Abschlussarbeiten, die an den verschiedenen Arbeitsbereichen in der Zeit zwischen Oktober 2024 und September 2025 abgeschlossen wurden, prämieren können. Wir gratulieren allen Preisträger*innen und freuen uns, diese hier kurz mit ihren Arbeiten vorstellen zu können.

„Eigentumsverhältnisse in der digitalen physischen Infrastruktur: Eine Analyse des Investitionsverhaltens ausgewählter privater Unternehmensakteure“ - Catalina Renč

Catalina Enrica Renc

Foto: Privat

Die Masterarbeit untersucht die Eigentums- und Investitionsstrukturen zentraler Bereiche der digitalen physischen Infrastruktur – Rechenzentren, Unterseekabel und Mobilfunkmasten. Ausgangspunkt ist die Frage, wie das Investitionsverhalten privater Akteure die staatliche Verantwortung für den Schutz kritischer Infrastrukturen verändert. Aufbauend auf Theorien des digitalen Kapitalismus und der Finanzialisierung entwickelt die Arbeit ein mehrdimensionales Kritikalitätskonzept, das die Verflechtung von ökonomischer, technischer und politischer Macht sichtbar macht. Empirisch analysiert sie globale Eigentumsdaten und Transaktionen in den drei Bereichen der digitalen physischen Infrastruktur und zeigt, dass sowohl Finanzinvestoren als auch große Digital- und Telekommunikationskonzerne zentrale Kontrollpositionen in diesem Infrastrukturbereich einnehmen. Damit trägt die Masterarbeit zum Verständnis der zunehmenden Privatisierung und Finanzialisierung kritischer digitaler Infrastrukturen sowie ihrer Bedeutung für Fragen staatlicher Souveränität und öffentlicher Verantwortung im digitalen Kapitalismus bei. [CER]

„Von Waschweibern, Tratschtanten und Gossipgirls: Zur negativen Bewertung weiblicher Unterhaltung und der Macht des Symbolischen“ - Marie Rose

Marie Rose

Foto: Privat

Die Bachelorarbeit untersucht die gesellschaftliche Abwertung weiblicher Kommunikation im Kontext patriarchaler Herrschaftsverhältnisse am Beispiel des Klatsches. Ausgehend von der Beobachtung, dass Gespräche unter Frauen häufig als trivial, belanglos oder moralisch fragwürdig markiert werden, analysiert die Arbeit diese Zuschreibungen als Ausdruck symbolischer Gewalt und geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse.
Auf Grundlage von Pierre Bourdieus Theorie der symbolischen Gewalt sowie des Konzepts des doing gender wird gezeigt, wie Sprache, Geschmack und Kommunikationspraktiken zur Reproduktion männlicher Herrschaft beitragen. Klatsch wird dabei historisch wie gesellschaftlich als ambivalente Praxis herausgearbeitet: Anhand seiner begrifflichen Entwicklung wird die enge Verknüpfung mit Weiblichkeit, Trivialität und sozialer Marginalisierung nachgezeichnet, die sich in der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre, der ambivalenten Bewertung weiblicher Rede zwischen Entwertung und Bedrohlichkeit sowie in seiner sozial integrierenden wie zugleich disziplinierenden Funktion widerspiegelt.
Im Zentrum der Analyse steht die Frage, warum das Gespräch unter Frauen durch die konnotierte Zuschreibung als „Klatsch“ einerseits trivialisiert, andererseits moralisch stigmatisiert und sozial reglementiert wird. Es zeigt sich, dass weibliche Kommunikationspraktiken dabei nicht nur als Ort symbolischer Unterordnung erscheinen, sondern auch als potenziell subversive Handlungsspielräume, deren emanzipatorisches Moment im Sinne Bourdieus zur Aufrechterhaltung der männlichen Herrschaft begrenzt werden muss. [MR]

„Stabilisierung durch Erneuerung? Zum symbiotischen Transformationspotenzial fundamentalökonomischen Denkens“ - Lina Sofie Schöne

Lina Sofie Schöne

Foto: Privat

Die literaturbasierte Masterarbeit nimmt das Konzept der Fundamentalökonomie unter die Lupe und fragt danach, inwiefern das fundamentalökonomische Denken (FÖ-Denken), verstanden als eine Neubestimmung von Infrastrukturpolitik, symbiotisches Transformationspotenzial aufweist. Unter Bezugnahme auf die Theorie gesellschaftlicher Transformationsstrategien nach Erik Olin Wright und ergänzt um die Staatstheorie Claus Offes stellt die Arbeit die These auf, dass das symbiotische Transformationspotenzial des FÖ-Denkens im in ihm angestrebten Bruch mit der gegenwärtig neoliberalen Organisationsweise von Infrastrukturen begründet liegt. Eine erneuerte Infrastrukturpolitik soll an Prinzipien der Regulation, Umverteilung und teilweisen Demokratisierung ausgerichtet sein. Damit trägt das FÖ-Denken einerseits dazu bei, das Sozialeigentum für die lohnabhängige Klasse auszuweiten, andererseits stärkt es Infrastrukturen als wichtige (Re-)Produktionsgrundlage kapitalistischer Ökonomien und knüpft sowohl an die Akkumulations- als auch an die Legitimationsfunktion des demokratisch-kapitalistischen Wohlfahrtsstaates an. Damit läuft es Gefahr, die kapitalistische Gesellschaftsordnung zu stabilisieren. Das Konzept könnte durch eine stärkere staats-, eigentums- und kapitalismustheoretische Fundierung radikalisiert werden und damit dem potenziell in Infrastrukturen angelegten emanzipatorischen Potenzial Rechnung tragen. [LSS]

„Zwischen Fürsorgepflicht und Schuldenlast – eine qualitative Betrachtung vergeschlechtlichter Selbstdeutungen und Praktiken im Umgang mit Privatschulden in Paarhaushalten“ - Judith Vrenegor

Judith Vrenegor

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Mit Blick auf die wachsende Bedeutung von Schulden für die Alltagsfinanzierung und geschlechtsspezifisch ungleicher Verschuldungsrisiken untersucht die Masterarbeit die relationale Aushandlung von Schulden in (heterosexuellen) Paarbeziehungen. Aufbauend auf reproduktions- und finanzmarktbasierten Theorien wird gezeigt, inwiefern Verschuldung auf privat geleisteter Care-Arbeit beruht und soziale Beziehungen für die Entwicklung von Subjektpositionen jenseits des Homo oeconomicus zentral sind. Empirisch basiert die Analyse auf leitfadengestützten Paarinterviews mit verschuldeten Paaren. Die Ergebnisse verweisen auf ambivalente Selbstdeutungen, bei denen die Partner*innen zwischen der Positionierung als selbstverantwortliche und naive Schuldige, überverantwortliche Retter*in oder irrationale Konsument*in oszillieren. Zudem erweisen sich paarinterne Affektökonomien als relevant für die Schuldenarrangements, was maßgeblich zur Unsichtbarkeit dieser ganz eigenen Art der schuldenbezogenen Care-Arbeit beiträgt. [JV]

„Anthropocene futures – Zukunftsdenken und Zukunfts- praktiken am Beispielder Klimamodellierung“ - Lena Wluka

Lena Wluka

Foto: Privat

Das kollektive Denken von Zukunft unterliegt, wie die historische Zukunftsforschung zeigt, Wandlungsprozessen. Der Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass auch mit dem Anthropozän als neue Gegenwart eine Veränderung dessen einhergeht, was unter „der Zukunft“ verstanden wird. Der Übergang vom Zukunftsdenken der Moderne zu jenem des Anthropozän, wird an der Herausbildung multipler Zukünfte und der zunehmenden Berücksichtigung der Eigenzeitlichkeit nichtmenschlicher Dinge fest gemacht. Im Rückgriff auf geowissenschaftliche und erdsystemwissenschaftliche Diskursstränge wird die soziologische Diskussion erweitert und dargelegt, wie die Zukunft im Anthropozän zugleich geöffnet und geschlossen wird. Die Öffnung der Blackbox modellierender, wissenschaftlicher Zukunftspraktiken am Beispiel Klimamodellierung, lässt einige Aspekte zutage treten, die als typisch für das gegenwärtige Zukunftsdenken gelten können: Zukunft wird aus einer begrenzten Anzahl an Pfaden ausgewählt, statt planend gestaltet. Zugleich werden Zukünfte vom Ende her, z.B. von Erwärmungszielen ausgehend, gedacht. Sie berücksichtigen dabei stets die Verwobenheit von menschlichen und nichtmenschlichen Entitäten, die sich auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen bewegen. Die Arbeit verbindet soziologische Zeitlichkeitskonzepte mit historischen Erkenntnissen zur Wandelbarkeit des kollektiven Zukunftsdenkens sowie mit Ansätzen der STS zur Untersuchung (natur-)wissenschaftlicher Praktiken. [LW]

Archiv Vorstellung prämierter Abschlussarbeiten

Hier finden Sie die Kurzvorstellungen von in der Vergangenheit prämierten Abschlussarbeiten.
Institutspreise 2023/2024
Institutspreise 2020/2021