Veranstaltungseckdaten
- Beginn
- Ende
- Veranstaltungsarten
- Vortrag
- Ort
-
Semmelweisstraße 12, E005
07743 Jena
Google Maps – LageplanExterner Link - Es referiert
- Dr. Pascal Aggensteiner
- Organisiert von
-
Lehrstuhl für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters
Prof. Dr. Julia Asbrand
- Telefon
- +49 3641 9-45990
- Fax
- +49 3641 9-45992
- julia.asbrand@uni-jena.de
- weiterführender Link
- Weitere Informationen
- Veranstaltungssprache
- Deutsch
- Barrierearmer Zugang
- ja
- Öffentlich
- ja
Abstract
Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind hochgradig heterogen und werden durch traditionelle diagnostische Kategorien nur unzureichend erfasst. Dimensionale und transdiagnostische Ansätze, einschließlich RDoC-informierter Rahmenmodelle, bieten eine vielversprechende Grundlage für eine präzisionsorientierte entwicklungsneurowissenschaftli-che Perspektive, die neurobiologische Mechanismen mit klinisch handlungsrelevanten Inter-ventionen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung verknüpft.
In diesem Vortrag werden konvergierende Befunde aus ERP-metaanalytischen Arbeiten zu ADHS und Autismus, multizentrischen randomisierten Neurofeedback- und Biofeedbackstu-dien, prädiktorfokussierten ERP-Studien sowie Untersuchungen zu Aggression und limitierte prosoziale Emotionen vorgestellt, die aus mehreren größeren europäischen und nationalen Multicenterstudien hervorgegangen sind. Zusammengenommen legen diese Studien nahe, dass prozessbezogene Marker – insbesondere Aufmerksamkeit, Belohnungserwartung, Selbstregulation sowie sozial-affektive Funktionen – eine differenziertere Stratifizierung jen-seits kategorialer Diagnosen ermöglichen könnten.
Die Potenziale und Grenzen multimodaler Methoden – einschließlich Psychophysiologie, EEG/ERP und fMRT – werden im Hinblick auf ihre Fähigkeit diskutiert, neurobiologische Mar-ker sowie klinisch relevante Personalisierung und Stratifizierung über verschiedene Verhal-tensphänotypen hinweg zu identifizieren.
Insgesamt tragen diese Befunde zur breiteren Diskussion über mechanistisch informierte Per-spektiven auf kindliche und jugendliche Psychopathologie bei und legen nahe, dass neurokog-nitive Marker bestehende diagnostische Ansätze in der Forschung zur Prädiktion und perso-nalisierten Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ergänzen könnten.
Referent: Nach Studium der Psychologie und Neurowissenschaften in Spanien promovierte Dr. Pascal Aggensteiner am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, war dort mehrere Jahre als Postdoc tätig und ist seit Anfang März in Jena. Seine bisherige Forschung liegt an der Schnittstelle von Entwicklungspsychopathologie, klinischer Neurowissenschaft und Versorgungsforschung im Kindes- und Jugendalter. Er untersucht transdiagnostische Me-chanismen psychischer Auffälligkeiten mit Schwerpunkten auf ADHS, Autismus, affektiver Dysregulation und Störungen des Sozialverhaltens.